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Rabenvögel in der Großstadt

Umweltblatt 06

  

des Umweltbüros "Am Weißen See"



Themen: ..Kolkrabe.. ..Aaskrähe.. ..Saatkrähe.. ..Elster.. ..Dohle.. ..Eichelhäher.. ..in Berlin.. ..Fazit.. ..Rote Liste..
Die Vögel singen, sobald sich der Sturm gelegt hat.
Warum nicht auch wir?

Rose Kennedy

Rabenvögel in der Kulturgeschichte

Rabenvögel haben in der Kulturgeschichte der Menschheit schon immer für Kontroversen gesorgt. Besonders die schwarzen Raben waren schon in der Antike ein Zeichen für nahendes Unglück oder gar Tod. Das kommt daher, dass Raben Aasfresser sind und in Kriegen den Schlachtfeldern folgten oder die Gehenkten am Galgen umkreisten. Andererseits verstand man Raben auch als Sendboten der Götter. Heute erwacht überlieferter Aberglauben zu neuem Leben. Bauern machen inzwischen Kolkraben für Tierverluste unter Kälbern in einem Mutterkuhbetrieb verantwortlich.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Zunahme der Kolkraben- bzw. Krähen population und den Verlusten an Jungtieren in Kuh- und Schafherden feststellen können. Für die gezielte Tötung von Jungtieren gibt es keine Beweise. Bei lebensunfähigen Jungtieren kann es vor-kommen, dass die Raben auf deren Todeseintritt warten. Sie fressen beispielsweise auch die Nachgeburten von Weidetieren.

Rabenvögel gehören zu der Familie der Singvögel, wobei sie nicht so sehr die Stimme auszeichnet, sondern ihre oft eindrucksvolle Gestalt. In Deutschland kommen insgesamt acht Arten vor: Der Kolkrabe, die Aaskrähe, die Saatkrähe, die Elster, die Dohle, die Alpendohle, der Eichelhäher und der Tannenhäher. Sie unterliegen alle den strengen Schutzbestimmungen des Bundesnaturschutz-gesetzes und sind in der Roten Liste für die Bundesrepublik enthal-ten. Es ist verboten, diese Vögel zu fangen, zu verletzen, zu töten, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entnehmen. Die im Berliner Stadtgebiet vorkommenden Rabenvogelarten sollen nun kurz vorgestellt werden.

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Der Kolkrabe (Corvus corax)

Kolkrabe

Der Kolkrabe ist mit ca. 64 cm (vom Kopfscheitel bis zum Schwanzende) der größte der einheimischen Rabenvögel. Er besitzt schwarze Federn und einen mächtigen, leicht gebogenen Schnabel. Der Kolkrabe ist in der Roten Liste für Berlin unter besonderen Schutz gestellt (Rote Liste Berlin: 2 = stark gefährdet). Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass er sich langsam wieder in der Kulturlandschaft ausbreitet. In Berliner Außenbezirken konnten schon wieder einige brütende Paare beobachtet werden. Sein "krokrokro" war auch schon weiter stadteinwärts zu hören, denn hier findet der Allesfresser leicht reichlich Nahrung im Großstadtmüll.

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Die Aaskrähe (Corvus corone)

mit den Unterarten

Nebelkrähe (Corvus corone cornix) Rabenkrähe (Corvus corone corone)

Generell trennt eine geografische Linie die Unterarten der Aaskrähe. Westlich der Elbe brütet die ganz schwarze Rabenkrähe. Die im östlichen Deutschland, also auch in Berlin sehr verbreitete Nebelkrähe besitzt einen grauen Leib mit schwarzem Kopf und schwarzem Flügelgefieder. Dort, wo Raben- und Nebelkrähen aufeinandertref fen, paaren sie sich häufig und zeugen graufleckige Nachkommen, die man Rakelkrähen nennt. Ehemals bevorzugte die Aaskrähe vorwiegend ländliches Gebiet, nunmehr ist sie häufig in Städten anzu treffen.

Der Berliner Brutbestand liegt bei 3.500 bis 5.000 Paaren. Im Gegensatz zur Saatkrähe brütet die Aaskrähe einzeln und verteidigt ihr Revier.

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Die Saatkrähe (Corvus frugilegus)

Saatkrähe

Die Saatkrähe hat schwarzes bis blauschwarzes Gefieder, wobei das Bauchgefieder an den Beinen oft struppig absteht.
Sie unterscheidet sich von der Rabenkrähe durch eine helle, unbe fie derte bis zum Auge reichende Schnabelbasis und einen spitzen Schnabel. Die Saatkrähe brütet in Kolonien in Feldgehölzen, Alleen und Grünanlagen. Ganzjährig gibt es in Berlin nur 300 bis 400 Paare. Im Winter fliegen bis zu 60 000 Saatkrähen aus Ost- und Nordeuropa zu. Früher zogen sie weiter gen Süden. Jetzt sind die Winter milder geworden und die Nahrungssuche in der generell wärmeren Großstadt ist leichter, als das Picken auf offenem Feld. So strömen allabendlich in Berlin Tausende von Saatkrähen in den Spätherbst- und Wintermonaten zu ihren Schlafplätzen, z. B. in die Jungfernheide und in den Tiergarten.

Für die in Berlin beheimateten Saatkrähen wird von einer Gefähr dung der Population ausgegangen. Aus diesem Grund ist die Saat krähe in der Roten Liste für Berlin in Gruppe 3 als "gefährdet" einge stuft. 1986 war die Saatkrähe vom Naturschutzbund zum Vogel des Jahres ernannt worden.

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Die Elster (Pica pica)

Elster

Aus der Entfernung erscheinen die langschwänzigen Vögel nur schwarz und weiß. Aus der Nähe erkennt man einen sehr schönen Blauglanz auf den Flügeln und einen grünblauen Schimmer der Schwanzfedern. Die Elster wird im Volksmund diebische Elster genannt, weil man ihr eine Vorliebe für glänzende Gegenstände nachsagt. Bekannt ist sie auch den Kindern als "Frau Elster" aus der Fernsehsendung "Das Sandmännchen".

Viele Elstern haben in letzter Zeit ihren Lebensraum aus der offenen Feldflur in die Siedlungsgebiete am Stadtrand verlegt. In den letzten Jahren hat die Elster zunehmend auch die Innenstadt besiedelt. Die Zahl der Paare liegt in Berlin bei 3 000 bis 4 000. Die Elstern bauen ein Nest mit Dach, wodurch der Bau ungewöhnlich groß erscheint. Sie haben die Angewohnheit, mehrere Nester zu bauen, wählen aber dann nur ein Nest zum Brüten aus.

Im Sommer, besonders zur Zeit der Aufzucht der Brut, ernähren sich Elstern in der Hauptsache von Bodentieren wie Würmern, Enger lingen und Raupen. Im Herbst und Winter bevorzugen sie Beeren, Körner und Früchte, natürlich aber zu jeder Jahreszeit menschliche Abfälle.

Die Elster jagt vorwiegend am Boden nach Nahrung. Schon aus die sem Grund verdient sie ihren schlechten Ruf als Nesträuber nicht. Schlecht gebaute Nester, z. B. auf Balkonen und in Bodennähe wer den auch von Katzen geplündert. Sollte hin und wieder ein in Bodennähe gebautes Nest durch Elstern ausgeraubt werden, liegt keine Gefährdung anderer Singvogelarten vor. Zum Beispiel haben Amsel, Grünfink und Star im städtischen Bereich die höchsten Bestandsdichten aller Zeiten erreicht.

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Die Dohle (Corvus monedula)

Dohle

Dohlen ähneln den Krähen, sind jedoch kleiner und haben einen grauen Hinterkopf und Nacken. Auffallend ist die hellgraue bis gelbe Iris. Die Dohlen sind typische Höhlenbrüter. Zum Nisten in freier Natur bevorzugen sie Felswände, Abbrüche in Steinbrüchen oder Altholzbestände.

In der Stadt allerdings sind sie auf Kirchtürme, Schornsteine, alte Fabriken, Kamine und Schächte angewiesen. Durch den Abriss alter Fabriken und Schornsteine und durch umfas sende Gebäudesanierungen sind die Dohlenkolonien im Stadtgebiet gefährdet.

In Berlin brüten etwa 200 bis 300 Paare. In der Roten Liste für Berlin ist die Dohle als "potentiell gefährdet" in Gruppe 4 eingestuft.

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Der Eichelhäher (Garrulus glandarius)

Eichelhäher

Der Eichelhäher ist in beiden Geschlechtern der farbenprächtigste unter den deutschen Rabenvögeln. Bemerkenswert sind besonders seine blauweißen Federn am Flügelbug. Besonders markant an ihm ist sein lauter heiserer Warnruf -"krschääh"-, den jeder sicher schon auf einem Waldspaziergang gehört hat. Der Eichelhäher wird aus diesem Grund "Wächter der Wälder" genannt. Beim Anblick einer Eule kann sein Ruf zu einem ohrenbetäubenden Geschrei anschwel len. Zur Brutzeit sind Wälder und Parks sein Lebensraum, ab Herbst durchstreift der Eichelhäher in lockeren Trupps die Wälder und Parks nach Früchten.

Der Speiseplan ist vielfältig und reicht von Insekten bis zu Nüssen. Er ist bekannt dafür, dass er vorzugsweise Eicheln als Speisevorrat versteckt. Die Eichelhäher leben zur Brutzeit paarweise. Der Bestand in Berlin liegt bei ca. 1 000 Paaren.

Tannenhäher

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass in Deutschland zwei weitere Rabenvögelarten vorkommen:

Der Tannenhäher ist ein brauner Vogel mit vielen weißen Flecken und einem kräftigen spitzen Schnabel. Er ist in den Alpen und Mittelgebirgen zu Hause.
Die Alpendohle brütet oberhalb der Baumgrenze. Sie ist, wie der Name sagt, in Deutschland nur in den Alpen zu Hause. Zur Nah rungssuche im Winter besuchen die Alpendohlen die Ortschaften in den Tälern.

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Rabenvögel in Berlin

In den letzten Jahren ist in der Bevölkerung immer wieder zu hören, dass es zu einer starken Vermehrung der Rabenvögel gekommen ist. Grundsätzlich ist hierzu anzumerken, dass die Bestands entwicklung einer Tierart immer vom Nahrungsangebot, den Quartie ren oder Brutplätzen abhängig ist. Sogenannte Fressfeinde sorgen in der Natur dafür, dass keine Tierart überhand nimmt.

Es gibt eine natürliche Begrenzung der Populationsdichte. Elstern z.B. haben gerade in den letzten Jahrzehnten ihren Lebensraum aus der offenen Feldflur in die Siedlungen und Städte verlegt, weil der Mensch das natürliche Nahrungsangebot durch intensive Feld wirt schaft, Rodung von Gehölzgruppen und Hecken einge schränkt hat. Hinzu kommt, dass in der Überflußgesellschaft im städtischen Raum dem Vogel durch verfügbare Abfälle aller Art die Nahrungssuche sehr leicht gemacht wird. Außerdem haben Elstern die Angewohn heit, mehrere Nester zu bauen, von denen immer nur eines zum Brüten genutzt wird. Dadurch wird der Anschein zahlreicher Brut paare erweckt.

Elstern und anderen Rabenvögeln wird immer wieder nachgesagt, dass sie als sogenannte Nesträuber den Bestand anderer Sing vogel arten dezimieren. Untersuchungen an Nestern, aber auch am Mageninhalt von Rabenvögeln haben gezeigt, dass der Anteil an Überresten von anderen Jungvögeln sehr gering ist. Der Rückgang verschiedener Singvogelarten im Stadtgebiet ist wohl eher auf die Zerstörung ihrer Nistmöglichkeiten zurückzuführen.

Viele Nester werden von Eichhörnchen, Mardern und vor allen Dingen von umherstreunenden Katzen geplündert. Den Eindruck einer Bestandsvergrößerung erweckt auch das Ver halten der Rabenvögel sich vom Herbst bis zum Frühjahr in soge nannten Trupps zusammenzuschließen, um neue Brut- und Futter plätze zu suchen. Wie bereits erwähnt kommen Tausende Saatkrä hen und Dohlen vor allen Dingen aus Osteuropa, aber auch aus Skandinavien im Herbst zu uns. Sie fallen dem aufmerksamen Beobachter auf Freiflächen, Schulhö fen, Grünflächen und Parkanlagen auf.

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Fazit

  1. Rabenvögel sind im Naturkreislauf ökologisch wichtige Vertreter. Sie vertilgen Mäuse, Raupen, Engerlinge und Drahtwürmer. Sie sind also an der natürlichen Schädlingsbekämpfung in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch in Grünanlagen und Kleingärten maßgeblich beteiligt.
  2. Rabenvögel fressen Aas. Sie verhindern üble Gerüche und unter Umständen die Verbreitung von Krankheiten.
  3. Ein Elsternpaar baut zahlreiche Nester, gebrütet wird aber nur in einem. So schafft die Elster Brutplätze z.B. für Turmfalken oder Waldohreulen.
  4. Der Eichelhäher hilft bei der Verjüngung des Baumbestandes. Er legt Nahrungsdepots an, vergisst ihre Standorte und aus diesen Depots sprießen neue Bäume.
  5. Eine negative Bestandsentwicklung anderer Singvogelarten im Stadtgebiet durch Elstern und andere Rabenvögel kann nicht beobachtet werden. Vor allem Saatkrähen und Dohlen stellen aufgrund ihrer Nahrungszusammensetzung in keiner Weise eine Gefährdung für irgendeine Vogelart dar.

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Rote Liste

Rabenvögel auf der "Berliner Roten Liste"     - Rote Liste der Brutvögel im Land Berlin -

Kolkrabe
Kategorie 4
Saatkrähe
Kategorie 4
Tannenhäher
Kategorie I

Systematische Auflistung von Arten, die regional oder überregional meist durch Einwirkung des Menschen vom Aussterben bedroht oder im Bestand stark gefährdet sind.

Kategorie 0
ausgestorben oder verschollen seit mindestens 10 Jahren
Kategorie 1
aktuell vom Aussterben bedroht
  1. sehr geringe Bestände
  2. starker Rückgang
Kategorie 2
stark gefährdet
  1. kleine Bestände
  2. signifikanter Rückgang
  3. regionales Verschwinden
Kategorie 3
gefährdet
  1. regional kleine Bestände
  2. regionaler Rückgang
  3. lokaler Rückgangen
Kategorie 4
potentiell gefährdet
  1. wenige Vorkommen
  2. kleine Vorkommen
Kategorie I
Vermehrungsgäste, die sich in Einzelfällen oder sporadisch vermehren.

Die Krähen behaupten,
eine einzige Krähe könne den Himmel zerstören; das ist zweifellos,
beweist aber nichts gegen den Himmel, denn Himmel bedeutet eben:
Unmöglichkeit von Krähen.

Franz Kafka

Die Umweltblätter
Der grüne Ort Pankow.. ..Wildtiere im Stadtgebiet.. ..Einige Gedanken zum Reisen.. ..Fütterung von Wasservögeln in der Großstadt.. ..Gefahr oder Hysterie: Mobilfunkstrahlung.. ..Rabenvögel in der Großstadt.. ..Es soll doch alles sauber sein.. ..Die Rosskastanien-Miniermotte cameraria ohridella.. ..Wie die Luft zum Atmen.. ..Was ist die "Lokale Agenda 21"?.. ..Massentierhaltung.. ..Die Pankower Rieselfelder (Blankenfelde, Schönerlinde, Hobrechtsfelde).. ..Entlang der nördlichen Naturschutzgebiete Pankows.. ..Die Kraft der Kräuter.. ..Naturnahe Balkongestaltung.. ..Entlang des Zingergraben-Grünzuges (Berlin-Pankow).. ..Durch das Naherholungsgebiet Berliner Barnim.. ..Begrünung von Baumscheiben.. ..Hinweise zur Fassadenbegrünung.. ..Der Weiße See.. ..Spielend gegen die alltägliche Katastrophe.. ..Lagerfeuer und Grillen.. ..Neozoen - Gebietsfremde Tiere.. ..Schutzgebiete..

Die neuen Umweltblätter des "Umweltbüro am Weißen See"

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Redaktion: Wilfried Platzek (1991 - 2005: Leiter des Umweltbüros Weißensee/Am Weißen See)
Das Umweltblatt #06 wurde von Reinhild Haase im Dezember 2004 im UMWELTBüRO am Weißen See ausgearbeitet.

Die Internetfassung wurde zuletzt am 03. Juni 2011 aktualisiert.

Anfragen zur Website: webmaster@umweltbuero-weissensee.de

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